Vor einiger Zeit durfte ich von der lieben Eli einen Gastblog veröffentlichen. Da ihr sehr ehrlicher Text so viele Leser fand, bat ich sie um neue Gedanken. In heutigen Blog rüttelt sie uns mit einem Dialog zwischen Mutter und Kind aus dem Jahre 2050 wach. Danke, dass ich deine Zeilen veröffentlichen darf!

„Mama, Mama! Ich kann nicht schlafen!“

„Warum denn nicht, mein Schatz?“

„Mir ist so heiss“.

„Ist schon gut. Ich stelle die Klimaanlage ein bisschen kühler ein“.

„Ich bekomme auch so schlecht Luft, Mama. Kannst du bei mir bleiben?“

„Natürlich bleibe ich bei dir, mein Schatz. Soll ich dir noch eine Gute-Nacht-Geschichte erzählen?“

„Oh ja bitte Mama- erzähl mir eine Geschichte!“

„Also gut. Es war einmal eine kleine Biene mit dem Namen Bernadett. Sie hatte viele Freunde und lebte auf einer wunderschönen Blumenwiese. Eines Tages…“

„Mama…?“

„Ja mein Schatz?“

„Was ist eine Biene?“

„Oh… Hmm… lass mich überlegen… Du kennst doch die kleinen Drohnen, die uns zum Beispiel immer die Briefe von Tante Klara bringen“.

„Ja Mama, die kenne ich“. „Eine Biene ist so ähnlich wie die kleine Mini-Drohne, die uns neulich die Tür aufgeschlossen hat, als ich meinen Schlüsselchip verloren hatte. Weisst du noch?“

„Ja, das weiss ich noch. Also ist eine Biene eine Drohne?“

„Nein, eine Biene ist so ähnlich wie diese Mini-Drohne, nur lebendig“.

„Lebendig? Etwa so lebendig wie wir Menschen?“

„Nein, nicht so wie wir Menschen. Eher so wie die Vögel, die wir in den Ferien im Zoo gesehen haben, weisst du das auch noch?“

„Ja Mama, das weiss ich noch. Das war schön! Haben wir im Zoo auch eine Biene gesehen?“

„Nein mein Schatz. Es gibt keine Bienen mehr“.

„Achso, du hast dir die Biene bloss ausgedacht und in Wirklichkeit gibt es gar keine! So wie die Dinosaurier und die Einhörner.“

„Als ich noch ein Kind war, gab es noch ein paar Bienen“.

„Und jetzt nicht mehr?“

„Nein, jetzt nicht mehr“.

„Warum denn nicht, Mama?“

„Das weiss ich nicht, mein Schatz. Soll ich jetzt weiter erzählen, oder nicht?“

„Ja bitte Mama, erzähl mir die Geschichte mit der Biene!“

„Also. Ihr Name war Bernadett und sie hatte viele Freunde auf der Wiese. Eines schönen Tages kam ihr Freund Bodo vorbei…“

„War Bodo auch eine Biene?“

„Ja, Bodo war auch eine Biene. Gemeinsam flogen die beiden über die wunderschöne Blumenwiese und genossen die frische Luft und das schöne Wetter. Der Himmel war strahlend blau, die Blumen leuchteten in den schönsten Farben und das Gras war wunderschön grün und saftig. Im Schatten eines Baumes landeten die beiden auf einem grossen grünen Grashalm, um sich auszuruhen“.

„Das ist ja wie im Märchenland, Mama. Warst du da schonmal?“

„Hmm… Ja mein Schatz. Das kann man wohl so sagen“.

„Oh, darf ich da auch mal hin, wo der Himmel blau ist und das Gras grün und die Blumen leuchten?“

„Das geht nicht mein Schatz“.

„Ach bitte Mama, warum denn nicht?“

„Dieses Land gibt es leider auch nicht mehr“.

„Oh schade. Wo ist es denn hin?“

„Das weiss ich leider nicht, mein Schatz“.

„Mama…?“

„Ja?“

„Warum bist du denn so traurig?“

„Ich bin nicht traurig mein Schatz… Ist dir immer noch so heiß?“

„Nein, es ist schon besser Mama. Mama…?“

„Ja?“

„Können wir bald wieder in den Zoo gehen?“

„Wie kommst du denn jetzt darauf?“

„Da war alles so schön, wie in dem Märchenland! Ich habe dort richtig gut Luft bekommen und musste gar nicht so doll husten, wie sonst. Und an den Sende-Masten waren so grüne raschelnde Dinger dran, die waren so hübsch!“

„Das waren keine Sende-Masten mein Schatz. Das waren Bäume“.

„Das waren doch keine Bäume, Mama! Bäume sind doch die, die draussen an der Strasse stehen. Die haben keine grünen Dinger dran. Am Liebsten würde ich gleich morgen wieder in den Zoo gehen!“

„Die grünen Dinger sind Blätter mein Schatz- die wachsen an den Bäumen. Weisst du denn nicht mehr, als es letztes Jahr geregnet hat? Da hatten die Bäume an der Strasse draussen auch ein paar Blätter dran. Und als du noch kleiner warst, hatten die Bäume jedes Jahr Blätter“.

„Nein Mama, tut mir Leid. Das weiss ich nicht mehr. Sei nicht traurig!“

„Das macht doch nichts mein Schatz. Ich bin nicht traurig, nur ein bisschen müde“.

„Mama…?“

„Ja?“

„Ist geregnet das, wenn das Wasser aus den Wolken raus kommt?“

„Ja, mein Schatz- das ist Regen“.

„Ich mag Regen. Da ist es so schön kühl! Ich bekomme immer noch so schlecht Luft Mama!“

„Ist schon gut mein Schatz. Versuch ein bisschen zu schlafen“.

„Und was ist mit der Geschichte?“

„Die erzähle ich dir morgen weiter“.

„Ach bitte bitte Mama, nur noch 5 Minuten! Erzähl mir von den Bienen und dem Regen!“

„Na gut mein Schatz. Also- Die Bienen Bernadett und Bodo sassen im Schatten des Baumes und ruhten sich aus. Plötzlich fiel ein Regentropfen neben den Grashalm auf den Boden. Platsch machte es und als die beiden Bienen nach oben schauten, sahen sie eine Regenwolke über der Wiese. Da breiteten die beiden ihre Flügel aus und flogen schnell nach Hause ins Trockene…“

„Platsch, platsch, platsch macht der Regen!“

„Ganz genau. Und als es aufgehört hatte zu regnen, kam die Sonne wieder zum Vorschein und mit ihr ein wunderschöner Regenbogen“.

„Was ist ein Regenbogen, Mama?“

„Als es letztes Jahr geregnet hat, haben wir einmal einen Regenbogen gesehen. Der bunte Streifen am Himmel, wenn die Sonne auf den Regen scheint“.

„Du meinst die grosse gelbe Wolke, die wir immer sehen, wenn wir manchmal raus gehen?“

„Nein, ich meine den Streifen aus ganz vielen bunten Farben am Himmel“.

„Oh wie schön!“

„Ja, davon kannst du heute Nacht träumen. Vielleicht sehen wir ja irgendwann wirklich nochmal einen Regenbogen“.

„Das wäre so schön. Ich träume heute Nacht von dem bunten Märchenland mit den Bienen und dem Regen und dem Regenbogen, Mama.“

„Das ist gut. Schlaf schön mein Schatz! Gute Nacht!“

„Gute Nacht, Mama! Hab dich lieb“…

„Ich hab dich auch lieb, mein Schatz!“

Elli Kutscha