Der Horizont brennt. Die untergehende Sonne hinterlässt einen roten streifen Horizont, bevor sie in der Abenddämmerung verschwindet und die Nacht einläutet. Ich richte mich auf. Entspannt und glücklich blicke ich, mein Kind auf den Stiel einer Hacke gelehnt, gen Himmel. In mir ist nichts außer Frieden. Ein leider Wind weht über Nase, es riecht nach Blumen, frisch gemähtes Gras, Erde und Gemüse. Es riecht nach Leben. In meinem Ohr vernehme ich die Bienen, die sich auf die Nacht vorbereiten. Noch einmal gehe ich meine Reihen durch. Dort ist noch etwas Unkraut wegmachen, dort vor die Bohnen hochbinden. Bald schon kann ich die ersten von Ihnen ernten. Im Gewächshaus hinter mir wachsen meine Tomaten, Paprikas und Chilis. Doch für einen Moment möchte ich verweilen, möchte den Geruch wahrnehmen, die Abenddämmerung beobachten und mit mir im reinen sein.

War es nicht immer so gedacht. Wir Menschen sähen und ernten, essen und schlafen, bearbeiten unser Feld und sind an der frischen Luft. Es ist so tief in unseren Genen verankert wie das Ein und ausatmen.

Und doch haben wir es irgendwo verloren. Verloren in übervollen Supermärkten mit Regalen voller industriell verarbeiteter Lebensmittel. Wo bei das Wort Lebensmittel allein schon eine Lüge ist. Dieses Essen besitzt kein Leben. Es ist tot, aufgewachsen unter Kunstlicht, überdüngt und voller Giftstoffe.

Hier auf meinen Feld, zwischen Menschen die Liebe in sich tragen, wachsen Lebensmittel, die mich und meine Familie nähren werden. Ich habe eine Beziehung zu ihnen aufgebaut, jede Reihe selbst bearbeitet, gepflegt und langsam aufwachsen gesehen. Sie sind nicht gerade, perfekt in Form und Farbe, jedoch voller Inhaltsstoffe und Liebe. Sie werden mir das wiedergeben, was ich ihnen gegeben habe.

Ein Person taucht auf. Es ist Daria, die Besitzerin dieses Hofes. Sie räumt eine vergessene Gießkanne in den Geräteschuppen und kommt freudestrahlend auf mich zu. Wir umarmt uns. Sofort kommen wir ins Gespräch und sie gibt mir Tipps was ich besser machen könnte.

Daria hat mit ihrem Mann das Projekt Vorstadtgemüse ins Leben gerufen. Eine Selbsterntegärten mit 40 Parzellen, jede mit einem Namen versehen, perfekt vorbereitet, vorgesät und mit liebe übergeben. Hier treffen sich Rechtsanwälte, Kindergärter, Yogalehrerinnen und EDV Administratoren und gemeinsam und friedvoll in der Erde zu wühlen und den Alltag aus den Kopf zu bekommen. Über 30 Gemüsesorten gilt es zu beackern, dazu gibt es eine Freifläche und ein riesiges Gewächshaus. Seit drei Jahren bin ich dabei und habe eines gelernt: Die Natur besitzt ihren eignen Rhythmus. Es gibt keine Perfektion und Zeitnot ist hier ein Fremdwort. Jedes Jahr ist Anderes. Anders Schön. Mein Feld hat mich geerdet.

Selbsterntegärten oder auch Saisongärten genannt,  sind perfekt für Neugierige und Einsteiger. Menschen die sich im Gärtner ausprobieren wollen, jedoch selbst nicht die Möglichkeit dazu haben. Vorort ist alles vorhanden, ein Schuppen mit Gartengeräten, eine Stelle zum Gießen und jede Menge Unterstützung von zwei lieben Menschen. Was ihr mitbringen müsst ist Neugier. Was man bekommt ist unbeschreiblich.

Anmelden könnt ihr euch auf www.vorstadtgemüse.de. Die Saison beginnt immer ende April.

Ich habe mich auf einem Kaffee mit Daria verabredet und wir haben über Ihr Projekt gequatscht. Das Interview könnt ihr unter diesem Text anhören: