In meinen Blog möchte ich nicht nur Dinge ansprechen, die mich bewegen, sondern auch Menschen vorstellen, die mich auf meinem Weg begleiteten. Eine davon ist Regina Poulheim von Yogaraum Hildesheim. Regina ist neben der Yogatätigkeit auch Lehrerin in Alexandertechnik. Sie ist in der Schmerzklinik aktiv und sehr belesen, wenn es um den Körper und den Geist geht. Für ihre Schüler hat sie immer ein offenes Ohr und schafft es, ohne erhobenen Zeigefinger, die Gedanken in eine bestimmte Richtung zu lenken. Danke Regina, für die vielen tollen Gespräche und Yogastunden.

Sven: Erklär mal den Leser, was für dich Yoga bedeutet?

Regina: Also ich formuliere es gern so: Yoga ist entstanden aus dem Bedürfnis des Menschen heraus, sich selbst zu verstehen. Und wenn ich versuche, mich im Kontext mit der Welt selbst zu verstehen, dann versuche ich mich auch auf einen guten Weg zu bringen. Wenn ich mir anschaue, was Yoga im Laufe der Jahrtausende war, dann ist das für mein Verständnis die Zusammenfassung für alle Yogastile, Arten und Zeiten.

Was es für mich noch bedeutet ist, dass ich mit mir in Kontakt gehe.  Und aus diesem Kontakt heraus in Handlung. Da ist Bewegung eine Möglichkeit, das ist das, was wir in unseren Yogakursen auch üben. Aber letztlich geht es für mich darum, im Alltag und im Leben immer wieder aus dem Kontakt mit mir selbst heraus in Handlung zu gehen. Das ist für mich Yoga.

Sven: Wie bist du zum Yoga gekommen?

Regina: Mit Yoga in Kontakt kam ich schon als Kind. Meine Mutter hatte ein Buch das hieß „Yoga für das Schulkind.“ Ich erinnere mich, dass sie aus diesem Buch immer ein paar Übungen mit uns gemacht hat. Und da konnte ich als Kind dann die Krähe. Das war der erste Kontakt. Von da an hatte ich etwas, das ich mit Yoga verband.

Erste richtige Kontakte mit Yoga hatte ich später in meiner Alexandertechnik-Ausbildung. Ich hatte drei Ausbilderinnen, wovon eine auch Yoga ausbildete. So habe ich dort auch Yogaelemente gelernt. In meiner Tanzausbildung, dem New Dance, war Yoga ebenfalls ein Element. New Dance ist ein Stil, der auf viele sehr unterschiedliche Körperarbeiten beruht. Von daher war ich vertraut mit der körperlichen Idee des Yoga.

Ich habe im Laufe der Zeit sehr viel mit dem Körper gearbeitet. An dem ersten „richtigen“ Yogakurs habe ich erst im Rahmen meiner Yogelehrerinnen-Ausbildung teilgenommen. Darf man eigentlich keinem erzählen (*lacht). Deshalb ist es mir auch so wichtig zu sagen, ich habe vorher viel gemacht was den Körper angeht. Wir haben zum Beispiel auch das Grundlagenwerk des Yoga, das Yogasutra in der Alexandertechnik-Ausbildung gelesen. Es gibt sehr viele Parallelen zwischen Yoga und der Alexandertechnik.

Sven: Gab es Menschen, die dich geprägt oder beeinflusst haben?

Regina: Das ist allen voran Elisa, meine Hauptausbilderin für die Alexandertechnik. Elisa ist Psychologin und bei ihr habe ich auch die Ausbildung zur Personenzentrierten Beratung gemacht. Elisa hat das Yogasutra mit in die Ausbildung genommen und arbeitet sehr viel mit einem yogischen Menschenbild der Âtmans. Das ist ein Menschenbild aus den Upanishaden. Ihre Arbeit hat mich sehr geprägt, so wie ich auch tatsächlich den Menschen sehe und auch verstehe. Das Atman-Modell, wie Elisa es erweitert hat, hilft mir sehr, um Verhaltensweisen bei mir und anderen zu verstehen.

Sven: Beschreibe mal deinen Unterricht. Was macht deinen Unterricht besonders?

Regina: Also die Richtung, die ich unterrichte ist eindeutig Hatha Yoga. Hatha Yoga ist ein Oberbegriff für ganz viele Yogarichtungen. Geprägt hat mich in erster Linie Anusara Yoga, das unser Ausbilder sehr viel mit einfließen ließ. Er nennt es jetzt Element Yoga. Das ist das, was ich benennen kann und was ich an Stilen mitbekommen habe. Was bei mir noch sehr stark einfließt, ist die Herangehensweise der Alexandertechnik.

Wie sich mein Unterricht abgrenzt zu dem Unterricht anderer, kann ich dir nicht sagen. Ich unterrichte immer abends und habe daher keine Möglichkeit, zu anderen zu gehen (*lacht). Ich habe da nicht wirklich eine gute Vergleichsbasis, dass ich jetzt sagen könnte, das macht mein Unterricht individuell. Dafür müsstest du vielleicht meine Schüler fragen.

Sven: Legst du den Fokus auf bestimmte Dinge?

Regina: Definitiv. Mir ist eine gute, günstige und gesunde Körperausrichtung wichtig. Wichtig ist mir auch, dass ich etwas vermitteln kann, dass die Teilnehmer zu Hause auch umsetzen können. Dadurch, das ich viel mit Wiederholungen arbeite und viel versuche immer wieder den selben Ablauf zu etablieren – dieselbe Reihenfolge von Aktivitäten anbiete – sodass es irgendwann vielleicht drin ist. Mir ist es ganz wichtig, irgendeine Art über die Körperübungen hinausgehendes Thema mit einzubringen. Damit da irgendwie nochmal was im weitesten Sinne philosophisches rein kommt. Im Anfängerkurs vielleicht nicht so, aber in anderen Kursen schon. Und das ist mir auch wichtig, weil ich dadurch die Übertragung vom körperlichen Üben auf der Yogamatte in den Alltag hinbekommen möchte.

Sven: Braucht man irgendwelche Voraussetzungen um Yoga zu machen?

Regina: Es gibt eine ganz wichtige Voraussetzung. Und die ist, dass man ein lebendiger Mensch sein sollte, der atmen kann! Das ist die Grundvoraussetzung um Yoga zu machen (*lacht)

Für mich stellt sich nicht die Frage, ob jeder Yoga machen kann, sondern welche Art von Yoga passt zu seinen Bedürfnissen. In der Schmerzklinik mache ich völliges anderes Yoga als im Yogaraum, wo schwerpunktmäßig gesunde, dynamische junge Leute bis 80 hinkommen. Tatsächlich habe ich in einem Kurs einen Achtzigjährigen. Großartig! Im selben Kurs übrigens eine Siebzehnjährige. Toll! Und in der Schmerzklinik mache ich erst mal ganz viel mit dem Atmen. Atem beobachten, Atemübungen, aus dem Kontakt mit dem Atem in einfache Bewegungen zu gehen. Insofern kann ich die Frage „Kann jeder Yoga machen“ mit Ja beantworten! Die Frage ist nur welches Yoga.

Sven: Einer deiner Workshops heißt „Yoga im Alltag“. Kannst du mal so ein paar Beispiele nennen, wie man Yoga im Alltag integrieren kann?

Regina: Zum Beispiel Haltungen aus den Kursen in den Alltag einzubauen. Mal bewusst die Standhocke zu machen, um zu den Schnürsenkeln zu kommen. Oder was ich jetzt in meine Kursen viel gemacht habe ist, aus der Standhocke ein Bein anzuheben. Das kann ich super nutzen, um mir die Füße abzutrocknen oder überhaupt mich nach dem Duschen abzutrocknen. Oder im Einbeinstand ein Tablett in der Hand halten und mit dem Fuß den Lichtschalter ausmachen. Sowas halt. Einfach spielerisch mehr Bewegung in den Alltag bringen.

Das andere ist mir Oasen zu schaffen, wo ich bewusst innehalte. Um für den Moment zu schauen, wie geht’s mir gerade. Das ist dann wieder der Kontakt zu mir. Einfach mitzubekommen, was ist jetzt gerade? Wie spüre ich den Körper? Atme ich gerade? Wenn ja wie? Wie geht`s mir gerade? Wie fühle ich mich? Wie ist die Gestimmtheit? Also immer wieder in den Modus des Lassens zu kommen, als des Tuns.

Sven: Du hat ja eine Ausbildung zur Alexandertechnik. Erklär mal, was das ist und wie du damit arbeitest

Regina: Ich habe eine Abschlussarbeit zur Alexandertechnik geschrieben. Da habe ich versucht, dieses ganze weite Feld mal in einen Satz zu fassen. Und dieser Satz ist:

Alexandertechnik ist eine Methode, zur Veränderung ungünstiger Gewohnheiten hin zu günstigen Handlungsweisen.

Klingt ein bisschen abstrakt, weil wieder alles drin ist. Aber es geht nicht nur um Bewegung! Es geht nicht nur um den Körper! Aber meistens beginnt es beim Körper. Beginnt heißt, dass Menschen, die für Alexandertechnik zu mir kommen, meistens einen Leidensdruck durch Schmerzen haben oder sie kommen zu mir aus professionellen Gründen, weil sie viel mit ihren Körper umgehen müssen.  zum Beispiel Musiker, Schauspieler usw. Und da geht es oftmals darum: Was habe ich für ungünstige Gewohnheiten, die Schmerzen entweder positiv am Laufen halten oder vielleicht sogar verursachen. Und selbst wenn es „nur“ eine Erleichterung verschafft, dadurch dass ich lerne, mich günstiger zu verhalten und zu bewegen, ist ja schon viel gewonnen. Ungünstig heißt, das es entweder ganzkörperlich oder meist in manchen Körperbereichen zu viel oder zu wenig Spannung gibt. Oder wir uns nicht achsengerecht bewegen, dass Scherkräfte auf Gelenke kommen.

Alexandertechnik findet meistens im Einzelunterricht statt, sodass es wirklich eine individuelle Betreuung gibt. Es geht darum wahrzunehmen, was mache ich gerade. Einzuschätzen, ist daran etwas ungünstig oder ist daran etwas günstig und wenn etwas ungünstig ist, es zu verändern. Das Verändern findet bei Alexandertechnik jedoch nicht im Tun statt, das Tun ist nur die Folge. Die Veränderung beginnt im Denken. Und das nannte er Direktiven bzw. Inhibition, das ist sowas wie „innehalten“ oder „stoppen“. Und zwar stoppen von dem, was ich als ungünstig erachte. Mir eine Direktive gebe, mich ausrichte – oder mir selber eine Selbsteinladung gebe, das finde ich schöner – für das, was günstiger ist.

Beispiel: Wenn ich gewohnheitsmäßig meine Schultern immer nach oben ziehe, dann werde ich relativ schnell zu dem Schluss kommen, dass dies nicht günstig ist. Und statt die Schulter jetzt immer wieder nach unten zu ziehen, wirklich erstmal wahrzunehmen: Was mache ich da? Wie spüre ich das? Was passiert da? Und dann stoppe ich das Hochziehen der Schultern. Da passiert noch nichts Körperliches! Aber ich beginne das Muster im Denken aufzulösen, da es eine ausgesprochene, eigentlich nur gedachte Direktive ist. Das heißt ich gebe dem Körper eine Einladung  in eine Richtung mit einer Qualität. Das ist Alexandertechnik.

Sven: Zeig mal deine Lieblings- Yogapose

Sven: Wenn wir jetzt das Interesse geweckt haben. Wo findet man euch?

Regina: Alle Infos zu unserem Kursen und Workshops findet ihr auf www.yogaraumhildesheim.de

Sven: Danke für das Interview!

Hier das komplette Interview nochmal zum Nachhören.